Gesperrte Strassen müssen von Anwohnern bezahlt werden

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Basel(sat): Am letzten Mittwoch versammelten sich die Anwohner einer Zufahrtsstrasse des Stadtteils Gundeldingen, um gegen das neue Vorhaben der Stadt Basel zu demonstrieren. „Zubringen nicht Eindringen“, stand auf einen der Plakate. Mit Bier, Pfeifen und Zigaretten standen die geschockten Anwohner vor der soeben aufgestellten Informationstafel.

Claudius Marger (57), Präsident der Stiftung „Fernglas“ – einer Nachbarschaftswache in diesem Stadtteil, ist sichtlich angespannt. „Zuerst nehme ich noch ein Schluck“, er hob das Glas und schaute in die Richtung der Demonstranten. „Es herrscht Krieg“, sagte Claudius. „Die Stadt ist uns in den Rücken gefallen! Der Kampf ist aber noch nicht vorbei!“, konterte er und hob wieder das Glas.

Die neue Kampagne der Stadt „Privat bezahlt“ sorgt bei allen sechs Demonstranten für Empörung. Esther Marger (55) erklärt: „Die Stadt möchte, dass wir die Strasse zukünftig unterhalten! Wir besitzen aber kein Auto!“ Es klingt schon ziemlich absurd was da in der Stadtplanung besprochen wurde, doch die Initianten des Projekts haben allen guten Grund um das Vorhaben durchzusetzen.

Daniel Rambus (29), Leiter des Projekts erklärt: „Viele Strassen in der Stadt Basel sind ab 22:00 Uhr gesperrt. Die Anwohner wünschen keinen Lärm in der Nacht. Trotzdem wollen die Anwohner aber alle Vorzüge einer Stadt, die wiederum nicht Laut sein darf. Ein Paradoxon!“ Die Initiative verpflichtet die Anwohner einer geschlossenen Siedlung, für die Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten selber aufzukommen. „Wieso soll der Autofahrer für eine Strasse bezahlen, die er nicht befahren darf?“ Die Kosten für die 100 Meter lange Zufahrt würde sich somit im Jahr auf 800’000 Franken summieren. Für jeden Einwohner rund 16’000 Franken im Jahr.

Der Stein der Initiative kam ins Rollen als am 31.05.2015 ein Hausarzt, die mittlerweile verstorbene Judith R., besuchte. Die Nachbarschaftswache „Fernglas“ rief die Polizei, welche vor Ort das Auto büsste. Der Hausarzt wollte die Busse nicht bezahlen und landete für 3 Tage im Gefängnis. „Fernglas“ ist sich keiner Schuld bewusst, Claudius Marger erwähnt: „Er hatte kein Blaulicht! Rettungsfahrzeuge sind immer willkommen in unserer Strasse“.

Das Projekt wird nun durchgezogen. Die Nachbarschaftswache „Fernglas“, wird keinen Rappen bezahlen und muss ab Morgen die Strasse selber putzen.

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